Ausgezeichnete Bewertung
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Grandios! Ein grandioser, v.a. sprachlich sehr besonderer Roman; wer Thomas Bernhard oder Beckett mag, aber auch Roman Ehrlich, Boris Hoge-Benteler oder Jan Wilms "Winterjahrbuch", der wird an der "Entstellung des Gesichts" seine Freude haben.
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Starkfried
6 April 2025
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LASS ES NICHT AUFHÖREN!!! Schnell bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es dem Buch nicht gerecht und damit womöglich „entstellt“ wird, wenn ich es geisteswissenschaftlich oder systemanalytisch erörtere. Dennoch bin ich mir sicher, dass es eine erkleckliche Anzahl von Kritikern geben wird, die das machen werden.Ich selbst jedoch habe meine ganzen Sinne auf seine außergewöhnliche, herrlich erfrischende, in seiner Wortgewandtheit unübertroffene Sprache und Erzählkunst gelegt, die vor Urzeiten vielleicht einmal die großen Geschichtenerzähler auf den Marktplätzen beherrschten … Man lässt sich einfach von Episode zu Episode treiben, macht die Gedankensprünge genussvoll mit und denkt immer nur das Eine: LASS ES NICHT AUFHÖREN!!!So wie Untertöne in der Musik hörbar mitschwingen und ihre Frequenzen in Brüchen entstehen, treibt der Leser auf ihnen davon er/sie wird eins mit dem Buch. Mit feinem Gespür erkennt man wohl die Netze, die der Autor spann, indem er plötzlich dem Protagonisten oder einer Nebenfigur seine ureigenen Gedanken in den Mund legt, um sie an anderer Stelle wieder neu zu spinnen. In das feine Spinnennetz der Dystopie werden Fäden zerschnitten (man könnte auch sagen: dekonstruiert) und Löcher gerissen, die einen zu der Frage verführen, ob man den ein oder anderen Satz schon mal gelesen oder ihn nur gedacht hat. Plötzlich ist man mittendrin in der Geschichte, eine (fast) eigene Figur … van Hengels subversive Vorgehensweise schnappt in poetischen als auch unerbittlich harten Tönen leise zu – und man will der autobiographisch anmutenden Geschichte nicht mehr entfliehen.Willi van Hengel schreibt so intensiv, dass ich aufpassen musste, den Protagonisten nicht mit dem Autor zu verwechseln. Denn wie kommt man auf die Idee, seine eigene Mutter „aus reiner Liebe“ mit einem Kopfschuss umzubringen. Seine Angst, sie als seinen absoluten Halt im Leben für immer verlieren zu können, wird obsessiv, sodass er nur den Ausweg sieht, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.Überhaupt könnte man durchaus manche Passagen des Romans separieren und als „Wunderblöcke“ (der Name für seine lyrischen Prosaminiaturen) einzeln stehen lassen, dachte ich während des Lesens. Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass mich seine außergewöhnliche Art zu schreiben, so in den Bann zieht, dass der Inhalt fast zweitrangig wird – das Zeichen seines ureigenen Stils.Egal, es werden die Meinungen noch weit auseinandergehen, wie Beate Ruben letztens in ihrer Rezension schmunzelnd schrieb. Ich jedenfalls empfinde die „Entstellung des Gesichts“ als ganz große Literatur, habe sie genussvoll gelesen und kann sie nur jedem empfehlen, der Lust auf was Besonderes hat.Jette
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Möglich
31 März 2025
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Eine Verirrung kann sich entwirren RezensionEntstellung des Gesichts - von Willi van HengelDa ist dieser aufreizende Titel: „Entstellung des Gesichts“. Sofort klingt das wie eine Provokation – wieso sollte jemand ein Gesicht entstellen?Ein Gesicht ist offenbar der Ausgangspunkt einer Sicht, einer Sicht auf die es umgebende Welt. Diese Sicht zu entstellen, meint eine Umkehrung eines Zustandes; da wird etwas vernichtet in einer Entstellung. Die Sicht auf die Welt wird vernichtet, es gibt nichts mehr nach außen hin zu betrachten, die Sicht kann nur noch nach innen gehen, ist das die Lösung?Mit dieser Frage plagt sich der Held.Im ersten Kapitel wird der Leser sogleich schockiert mit der Idee, dass der Held die Mutter töten müsse, nur so kann er sein eigenes Inneres befreien, nur so wird er der Liebe zur Mutter gerecht. Doch ist das Gesichtsfeld der Mutter zerstört, ist auch deren Lebenserfahrung aus der Welt geräumt. Was ist, wenn er all das zerstört? Immerhin zeichnet das Gesichtsfeld der Mutter das häusliche Sein der Familie, was den Zugang des Helden zur Welt definierte.Die Entdeckung, dass die Farce des häuslichen Seins nicht nur brutal, sondern auch eine glatte Lüge gewesen ist, macht die Frage zusätzlich kompliziert. Verrat, Feigheit und Gewalt wurden vom Vater in die Familie gebracht, die Mutter duldete aus der Idee heraus, dass der Mann nichts dafürkonnte. Eine einzige Trugwelt, dieses Sichtfeld seiner Mutter. Das Leben der Mutter scheint in eine winzige Nische gezwungen, und das Leben des Sohnes in ein großes Fragezeichen verwandelt.Im Roman wird das katastrophale Überleben einer Nachkriegsfamilie aufgeblättert, wo geschwiegen, erduldet und Schlager und Schokolade als Trost gegen die Unwirklichkeit der Welt konsumiert werden. Die Familie ist nicht der Ort, wo das Leben wieder und wieder geboren wird; es ist ein Ort des Schweigens und frustrierten Konsums und einer Unfähigkeit zur Liebessprache.Und doch: Es gibt den Großvater – dieser einzig menschliche Geist in der Familie, der irgendwie wie ein Außerirdischer wirkt im Roman. (So wie uns heute die klassische deutsche Literatur außerirdisch erscheint.) Beim Lesen fühlte ich mich beruhigt, dass es diesen Geist gibt – die Einsicht in die Kraft der Worte, die die Lüge bloßstellen können. Vernunft und Liebe können sich also paaren, das ist die Hoffnung, die der Roman ausspricht. Dafür ist es allerdings nötig, Lügengespinste, süßliche Schlagerwelten und das fatale ‚Nichts-dafür-können‘ zu attackieren.Willi van Hengel sagt das alles wieder einmal in seiner wunderbaren schöpferischen und poetischen Sprache, die manchmal dazu führt, dass einem der Mund offensteht vor Staunen.Beate Ruben
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Beate Ruben
28 März 2025

Roman

ISBN:978-3-949260-42-1
Verlag: kul-ja! publishing.
Moderne und zeitgenössische Belletristik, 20./21. Jahrhundert

176 Seiten — 12 x 19 cm

Preis: 15,00 Euro

»Überhaupt einem Menschen, und dann auch noch ihr, den Kopf vom Hals zu trennen – ich schäme mich, so zu denken. Aber vielleicht wird es mein Leben verändern, auf eine völlig andere Fährte bringen, wer weiß, ich spür’s noch nicht. Der Gedanke allein, einen anderen und dazu noch um alles in der Welt geliebten, vielleicht für alle Zeit hin einzig geliebten Menschen töten zu wollen – und dazu noch mit einem Kopfschuss –, ist weder erklär- noch entschuldbar. Aber es ist nun einmal so.«

Das Leben des Protagonisten in meinem neustem Werk spitzt sich zu. Nach dem Tod des Vaters nimmt er einen neuen Job in einem wissenschaftlichen Verlag an; dabei verliebt er sich in seine Kollegin. Doch was nach einem verheißungsvollen Neuanfang aussieht, entpuppt sich als Illusion: Vergangenheit und Traumata des Namenlosen schwappen an die Oberfläche – und damit auch der Gedanke, dass die wichtigste Person seines Lebens, die Mutter, bald sterben könnte. Gefangen in dieser Angst, treibt es ihn ins vermeintlich Unausweichliche.


Erschienen am 26. Februar 2025

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Dieudedet

oder Sowas wie eine Schneeflocke

Roman

ISBN: 987 3 95765 293 5
Verlag „Zwischen den Stühlen“, Kai Beisswenger (Imprint vom Verlag p.machinery)

Sprache – anders

Willi van Hengel hat hiermit einen Entdeckungsroman verfasst, in dem das Ich nur mit der Erfindung einer neuen Sprache zu sich findet. Man könnte die Sprache neo-romantisch nennen. Denn sein Werk ist zeitlos – die Handlung könnte heute oder vor 200 Jahren oder in 200 Jahren spielen. Gleichwohl ist das Thema des Romans hochaktuell, geht es doch um das, was seit Ewigkeiten die Menschen berührt: das Erleben tiefer Gefühle sowie das Leiden an einer unausgesprochenen und von daher gequälten Seele.Der Protagonist, Alban genannt, erkennt auf seiner Reise ins eigene Ich den Grund seiner Bindungsängste. Er war das Schlachtfeld, auf dem die Kämpfe seiner Eltern ausgetragen wurden. Seine Eltern sind tot. Und sein bester Freund, der ihm ein abscheuliches Frauenbild eingeimpft hat, lebt noch. Der Zwiespalt brachte Alban so weit, zu denken, dass er und sein Leben, so wie er es lebt, „bloß ein Vorurteil“ sei. Also was tun? Ihn, den besten Freund, töten? Er wird sich seiner Vergangenheit und den damit verbundenen Erinnerungen stellen, um ein Stück von sich selbst zu Grabe (oder zu Stein, denn Alban ist Bildhauer) zu tragen. Um zu werden, was er sein könnte: ein Mensch, der aus lauter Zweifeln besteht, aber nun beginnt, sich selbst anzunehmen – und vielleicht sogar zu lieben. Der Wortzauberer Willi van Hengel hat mit seiner Sprachmagie nicht nur ein einzigartiges Kunstwerk erschaffen. Sondern auch eine (Er)Findung, die im Finale aus Tränen aufgeht.
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Lucile

Roman

ISBN-10: 3-939305-08-1
edition LIThaus, Berlin 2006
Eine junge Frau in einer existenziellen Krise. Mit zunehmender Vereinsamung beginnt sie, Briefe an ihre in Paris lebende, seelenverwandte Freundin Lucile zu schreiben Vordergründiges Thema ist ihre allgegenwärtige, wachsende Sehnsucht nach André, ihrem Freund, der für zehn Tage in einem Physikersymposium nach Dubrovnik gereist ist. Die Grenzen zwischen Phantasie und Wirklichkeit verwischen zunehmend. So wird das Briefe-Schreiben zu einer Gratwanderung: Einerseits hilft es ihr, Halt und Orientierung zu finden, andererseits verschärft es noch ihre Zweifel: Ist denn André „real“ oder ebenfalls nur imaginär? Ist sie am Ende selbst nur ihre eigene Erfindung? Ist e wirklich nur ein Vorurteil, dass man lebt?
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Morbus vitalis

Roman

ISBN: 978-3-940756-36-7
Wiesenburg Verlag, Schweinfurt 2009
Leonard, Student der Philosophie mit einem gutbezahlten Job als Korrektor im Bundestag, hat sich in eine schwierige Lage gebracht Nun, wo seine Freundin Ines beginnt, sich von ihm zu entfernen, versucht er herauszubekommen, warum es dazu kam. Zugleich nähert er sich seiner Kollegin Eva an, zu der er sich schon lange hingezogen fühlt. Hin und her gerissen beginnt Leonard die Geschichte dieser Menage à trois aufzuzeichnen – in Briefen an einen fiktiven Freund. Doch die geachte Lebensbeichte gerät unversehens zu einer gnadenlosen Innenschau: er versucht gegen den Malstrom seiner Gefühle und Gelüste anzuschreiben. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Wahrheit und Wollen. Während Leonard sich neu erfindet, nehmen die beiden Frauen auch der Bühne seines Lebens und Schreibens immer festere Gestalt an, wohingegen Leonard sich immer mehr aufzulösen scheint.
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Wunder­blöcke

Kurzprosa mit Zeichnungen

ISBN: 978-3-940756-96-1
Wiesenburg Verlag, Schweinfurt 2010
Die schon bei Freud sprachlich gebrauchten „Wunderblöcke“ sind lyrische Prosaminiaturen im weitesten Wortwidersinn, die in ihrer Alogik ihresgleichen suchen Sie lösen sich von geradlinigen und konventionellen Erwartungen hinsichtlich des logischen Verstehens. In einer solchen Erwartung werden unendlich viele Empfindungen und Intuitionen verschüttet oder missachtet. Dieses Verschüttete freizulegen, ist das wesentliche Motiv dieser meist in Blockform kurz gehaltenen Texte. Da im Vorhinein nicht klar sein kann, nach was gesucht wird oder was dargestellt werden will – das widerspricht dem Begriffe nach schon dem Intuitiven und Empfundenen –, so gesagt sind die Wunderblöcke also Momentaufnahmen des gefundenen Wortes selbst. Ein eindeutiges Verstehmoment wird ausgeschlossen; dafür ein immer wieder anderes assoziatives Nachempfinden eingefordert beim wiederholten Lesen. Gedächtnisspuren und Schmerzen, Wunden und ihre Krusten, sich aufhebende oder einnistende Sehnsüchte, die Geste der Katharsis ebenso wie die reine Lust am Chiffrieren und Sich-gehen-Lassen, ein Sich-hingeben in den Augenblick hinein, kurzum: sich von keinem vorgegebenen Inhalt und dessen inhärenter Logik leiten oder gar beherrschen lassen – sprachbefreit, aber nicht sinnentleert: das wollen und sind Wunderblöcke.
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